Hertha BSC unvergessene Spiele

So 10.03.2002, 17:30 Uhr, Olympiastadion, Berlin
Bundesliga 2001/2002, 26. Spieltag
36.250 Zuschauer - Schiedsrichter: Hartmut Strampe (Handorf)

Tore:
1:0 Michael Preetz 40.
2:0 Bart Goor 44.
3:0 Marcelinho 54.
4:0 Bart Goor 62.
5:0 Bart Goor 85.
6:0 Bart Goor 90.

Tag des "Bart Toor"

Genaue Beobachter der HSV-Erfolge der letzten Wochen mussten bei genauem Hinsehen eingestehen, dass die Hanseaten zumeist nicht als besseres, sondern als glücklicheres Team punkteten. Dabei half der Truppe aus dem Mittelfeld der Liga nicht zuletzt das Unvermögen der jeweiligen Gegner (Bremen, Nürnberg etc.) im Angriff davor, die Spiele zu vergeigen. Gegen Hertha war nun Klartext angesagt. Die Berliner deckten in dieser Begegnung die Schwächen der Hamburger in voller Breite auf und landeten einen verdienten Kantersieg.
Sechs Tore gelingen einem Team nicht alle Tage, doch heute war Hertha so haushoch überlegen, dass Mitleid für die Gäste schon ein schnell aufkeimendes Gefühl wurde. Hätten die Berliner allerdings auch noch die Chancen verwertet, die stark nach Kann-man-eigentlich-nicht-vergeben rochen, wäre der Sieg zweistellig ausgefallen.
So musste letztlich ein Mann hervorgehoben werden, der bis dato mehr mit durchwachsenen Leistungen einen Stammplatz behauptete, als mit überdurchschnittlichen Auftritten: Bart Goor. Der belgische Nationalspieler lieferte schlichtweg eine Weltklasse-Partie, die mit vier Toren, je einem Latten- und Pfostenschuss von den Highlights her kaum mehr zu toppen war. Der HSV dagegen war nur einfach peinlich

Berlin - Nach dem Spiel konnte er es selbst kaum fassen. "Das ist ein Tag, den ich auch erst einmal verarbeiten musste. Das ist mir zum ersten Mal im Leben passiert. Zwei Tore habe ich schon mal in einem Spiel erzielt, aber vier noch nie", freute sich Goor nach dem 6:0-Kantersieg der Hertha über den HSV.

"Man sieht, dass es unter dem neuen Trainer wieder Spaß macht. Er versucht jedem Spieler Selbstvertrauen zu geben", so Goor nach dem Spiel seines Lebens.

"Man sieht, was in ihm steckt. Ich freue mich für Bart, dass es so eine Explosion gegeben hat. Er schwimmt auf einer Welle des Selbstvertrauens", kommentierte Herthas Übergangstrainer Falko Götz.

Doch der neue Berliner Publikumsliebling gab das über ihn hereinprasselnde Lob bescheiden weiter. Der Linksfuß im offensiven Mittelfeld hatte zudem das Glück, mit dem Hamburger SV auf einen Gegner zu treffen, der sich als erschreckend desolate Truppe in Berlin präsentierte.

"Wie wir aufgetreten sind, hatte mit Bundesliga-Fußball nichts zu tun. Wir wollten den Gegner einschläfern und haben uns selbst eingeschläfert. Wir haben alles falsch gemacht und können froh sein, dass es nur 0:6 ausgegangen ist", schimpfte HSV-Coach Kurt Jara nach der höchsten Auswärtspleite des Vereins seit September 1970.

Sa 10.05.2003, 15:30 Uhr, Olympiastadion, Berlin
Bundesliga 2002/2003, 32. Spieltag
59.200 Zuschauer - Schiedsrichter: Edgar Steinborn (Sinzig)

Tore:
1:0 Michael Ballack 5. (ET)
1:1 Giovane Elber 19.
1:2 Claudio Pizarro 22.
1:3 Claudio Pizarro 23.
1:4 Giovane Elber 33.
1:5 Giovane Elber 45.
2:5 Marcelinho 59. (FE)
2:6 Michael Ballack 85.
3:6 Marcelinho 90.

Tag der offenen Tore

Zwölf Sekunden waren gespielt, als Bart Goor den Ball erstmals über den Bayern-Kasten drosch. Hertha machte weiter Druck und kam nach fünf Minuten durch ein Eigentor von Ballack, der einen Marcelinho-Freistoß unglücklich ins eigene Tor verlängerte, zum 1:0.
Nur langsam hielt der FCB dagegen, kam dann allerdings gewaltig - per Dreierpack. Zuerst flankte Sagnol auf Elber, der mit dem Hinterkopf Kiraly überlupfte: 1:1 (19.). Kurz darauf eine Deisler-Hereingabe auf Pizarro, der den Luftkampf gegen Simunic gewann: 1:2 (22.). Wieder Deisler auf Pizarro - diesmal flach - ein platzierter Schuss des Peruaners: 1:3 (23.). Das Spiel blieb zwar danach in etwa ausgeglichen, doch Tore schossen weiterhin nur noch die Bayern: Elber per Kopf zum 4:1 (33.) und nochmals der Brasilianer nach einem Gewühl per Winkelschuss (45.) zum 5:1-Halbzeitstand.

Nach diesem fatalen Rückstand zogen sich die Bayern nach dem Wechsel erst einmal etwas zurück und ließen die Berliner an ihrer Abwehr "abprallen", denn die Stevens-Kicker fanden kaum Lücken. Hätte Sagnol nicht Neuendorf umgerissen und Marcelinho den fälligen Elfer verwandelt (59.), wäre so mancher Zuschauer eingenickt. Erst gegen Spielende gab es noch zwei Highlights durch Ballack (85.) und Marcelinho (90.), die das Resultat auf 3:6 hochschraubten. Hertha bot dem Meister im ersten Durchgang ein offenes Tor an, was dieser ausnutzte. Nach dem 5:1-Halbzeitstand war das Spiel praktisch durch.

Sa 08.03.2003, 15:30 Uhr, Olympiastadion, Berlin
Bundesliga 2002/2003, 24. Spieltag
32.500 Zuschauer - Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

Tore:
1:0 Marcelinho 7.
2:0 Michael Preetz 26.
3:0 Marcelinho 35.
4:0 Michael Preetz 55.
5:0 Luizao 62.
6:0 Simon Jentzsch 79. (ET)

Desolate Sechziger ohne Gegenwehr

Nach den letzten Pleiten waren die Berliner, bei denen der Karnevals-Nachtschwärmer, aber für Hertha im Prinzip unverzichtbare Marcelinho "eine Bewährungschance" erhielt, sogleich konzentriert und angriffslustig in der Partie. Nach drei Spielminuten fummelte sich Preetz zentral in den Strafraum hinein und legte den Ball gegen den Pfosten. Marcelinho, der den Abpraller im Netz unterbrachte, stand jedoch im Abseits. In der 7. Minute aber hatte die fulminant anstürmende "Alte Dame" Erfolg. Costas Umreißer gegenüber Preetz im Kopfballduell wurde geahndet und Marcelinho verlud Keeper Jentzsch, der in den sieben vorherigen Strafstößen unbezwungen geblieben war. Von den 60ern war kaum etwas zu sehen - außer einer Unmenge an Fehlpässen. So hielt der Hertha-Druck an und das 2:0 fiel wenig überraschend. Preetz staubte einen Ball ab, der von Jentzsch nach einem Dardei-Distanzschuss über den Pfosten ins Feld zurückgeprallt war (26.). Auch das 3:0 kurz darauf gegen die völlig indisponierten Löwen fiel fast zwangsläufig. Luizao legte eine Beinlich-Freistoß-Vorlage per Kopf auf Marcelinho ab, der das Spielgerät in die Maschen drosch (35.).

Die Gäste stabilisierten sich zwar in der Zeit vor und nach dem Seitenwechsel etwas, doch das 4:0 der wesentlich agressiveren Berliner in der 54. Minute machte die halbherzigen Ansätze der Pacult-Kicker schnell zunichte. Eine köstliche Flanke von Marcelinho landete auf dem Kopf des brandgefährlichen Preetz, der Jentzsch keine Chance ließ. Als der Keeper kurz darauf Luizao unnötig von den Beinen holte, nahm das Debakel für 1860 seinen weiteren Lauf. Der Gefoulte schoss den Elfer platziert ins Eck und markierte sein erstes Bundesligator (62.). Doch ein Feldverweis für Stranzl (68.) und ein etwas unglückliches Eigentor von Jentzsch machten die deftige Schmach für die Münchener erst wirklich perfekt, die der Hertha in allen Belangen unterlegen waren und selbst in dieser Höhe verdient unterlagen.

Sa 08.05.2004, 15:30 Uhr, Olympiastadion, Berlin
Bundesliga 2003/2004, 32. Spieltag
56.300 Zuschauer - Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)

Tore:
1:0 Sebastian Kehl 7. (ET)
2:0 Marcelinho 20.
3:0 Fredi Bobic 37.
3:1 Ewerthon 52.
4:1 Artur Wichniarek 57.
4:2 Ewerthon 79.
5:2 Andreas Neuendorf 86.
6:2 Nando Rafael 90.

Hertha verwertete alle Chancen

Im drittletzten "Endspiel" um den Klassenerhalt hatten die Berliner gegen die Dortmunder Borussen einen glücklichen Start. Eine Marcelinho-Freistoß-Flanke wurde von Torwart Warmuz nur unzureichend erwischt, der Ball prallte von Kehl unglücklich ab und kullerte in Zeitlupe über die Torlinie (7.). Die Partie lief ausgeglichen weiter, allerdings vorerst ohne Torchancen. Als Frings den Ball jedoch Marcelinho vor die Füße spielte und der Brasilianer ins lange Eck traf (20.), kam wieder Leben in die Partie. Dortmund versuchte nun bemüht, aber vergeblich, den Hertha-Riegel zu knacken, da die Kreativkräfte Rosicky und Frings enttäuschten. Mehr Wirkung erzielten die Berliner in der 37. Minute. Wichniarek flankte im Fallen, Warmuz klatschte nur ab und Bobic staubte per Scherenschlag ab. Während also bei den Gastgebern jeder Schuss saß, prallten alle BVB-Versuche uneffektiv ab.

Mit Ewerthon kam nach der Pause indes neuer Schwung ins Sammer-Team. Prompt schoss der flinke Stürmer nach einem Gambino-Zuspiel das 1:3 (52.). Umgehend meldeten sich die Berliner zurück. Marcelinho und Bobic scheiterten in der Folgezeit knapp, doch in der 57. Minute musste die wenig sattelfeste BVB-Abwehr das 1:4 durch Wichniarek hinnehmen. Danach waren die Borussen zwar wieder aktiver, doch weiterhin ideenlos. Hätte nicht Ewerthon ein Koller-Zuspiel verwertet, wären die Herthaner wahrscheinlich nicht mehr aktiv geworden (79.). So rafften sie sich noch einmal auf und legten überraschend zwei weitere Treffer nach. Zuerst schloss Neuendorf einen Konter mit einem geschickten Heber über Warmuz hinweg ab (86.); dann rauschte abschließend Rafael durch die Angriffsmitte und schob cool zum 6:2 ein (90.). Das Borussen-Debakel war perfekt; Hertha dagegen einen großen Schritt weiter in Richtung Klassenerhalt.


Sa 04.12.2004, 15:30 Uhr, Olympiastadion, Berlin
Bundesliga 2004/2005, 16. Spieltag
40.100 Zuschauer - Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Tore:
1:0 Billy Reina 38.
2:0 Nando Rafael 54.
3:0 Alexander Madlung 63.
4:0 Yildiray Bastürk 71.
5:0 Yildiray Bastürk 79.
6:0 Marcelinho 81. (FE)

Zusammenbruch nach dem 0:2

Bis zum 2:0 für die Berliner in der 54. Minute stand die Begegnung auf der Kippe. Danach brachen die Gladbacher aber so dermaßen ein, dass sie am Ende noch mit einer 6:0-Schlappe die Heimreise antreten mussten.

Nahezu 40 Minuten lang neutralisierten sich zwei zurückhaltende Mannschaften in einer Partie, in der bestenfalls die Abwehrreihen zeigten, wie man in der Bundesliga bestehen kann. Im Angriff war totale Flaute angesagt. Torchancen? - Fehlanzeige. Auch beim 1:0 für Hertha in der 38. Spielminute musste der Gegner mithelfen. Eine Gilberto-Flanke köpfte Ziege vor die Füße des erstmals nach seiner Kreuzband-Verletzung in die Startelf berufenen Reina, der aus knapp zehn Metern per Aufsetzer ins lange Eck traf. Erst danach wurde das Berliner Aufbauspiel etwas ansehnlicher, jedoch zwangsläufig von der Halbzeitpause unterbrochen.

Die Herthaner machten zwar da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten, doch auch die Gäste wurden zunehmend aggressiver. So musste Fiedler mit toller Parade gegen Ziege klären, doch im direkten Konter marschierte Rafael mit dem Ball übers halbe Feld auf Kampa zu, schoss von der Strafraumgrenze und hatte Glück, dass Kampa den Ball nur gegen den Innenpfosten ablenken konnte, von wo aus das Kunstleder ins Tor sprang (54.). Gladbach hielt zwar weiter dagegen, vernachlässigte allerdings die Abwehrarbeit.
So fiel das 3:0 in der 63. Minute als eine Bastürk-Flanke nur auf Marcelinho abgelenkt wurde, dessen missglückter Schussversuch beim völlig freien Madlung landete, der Kampa per Direktabnahme keine Chance ließ. Hertha spielte nun wie befreit auf und legte den diffusen Gästen drei weitere Dinger ins Nest. Zuerst erwischte Bastürk eine abgefälschte Bobic-Flanke mit dem Kopf (71.); dann tauchte der Türke nach einem Doppelpass mit Marcelinho allein vor Kampa auf, umkurvte den Keeper und schob zum 5:0 ein (79.). Den Abschluss besorgte Marcelinho mit einem aufreizend ins Tor gelupften Elfmeter, dem ein Foul von Debütant Jansen an Marx vorausging (81.).

Trotz des hohen Rückstandes kamen die Gäste in den Schlussminuten durch Sverkos noch zu drei Möglichkeiten, die Fiedler aber allesamt abwehrte. Damit konnte die katastrophale Leistung der Fohlen im zweiten Durchgang allerdings auch nicht mehr kaschiert werden.



Di 23.11.1999, 20:45 Uhr, Olympiastadion, Berlin
Champions-League, Zwischenrunde Gruppe A
60.500 Zuschauer - Schiedsrichter: Nikolai Levnikov (Russland)

Tore:
0:1 Luis Enrique 3.
1:1 Kai Michalke 33.

Ein Spiel das keiner sah

Vorgeschichte: Den AC Mailand und Galatasaray Istanbul hatte Hertha BSC in der ersten Gruppenphase der Champions League-Saison 1999/2000 hinter sich gelassen und zog neben dem FC Chelsea in die zweite Gruppenphase ein. Bei der Auslosung wurden den Berlinern dann drei weitere Hochkaräter als Gegner präsentiert: der FC Porto, Sparta Prag und der FC Barcelona.
Und die Spanier waren es auch, die Hertha zum Auftakt, keine drei Wochen nach dem Spiel beim FC Chelsea, im Berliner Olympiastadion zu Gast hatte. Der November zeigte sich von seiner ungemütlichsten Seite, was trotz des attraktiven Gegners dazu führte, dass einige Berliner sich nicht auf den Weg ins Stadion machten, sondern lieber zuhause blieben. Vielleicht hatten sie aber auch einfach schon geahnt, dass es an diesem Abend wenig Fußball im Stadion zu sehen geben würde...

Ablauf:

Es ist Dienstagabend 20:45 Uhr und das Berliner Olympiastadion scheint ganz gut gefüllt zu sein. Genauere Aussagen über die Zuschauerzahl werden sich erst nach Auszählung der verkauften Eintrittskarten treffen lassen, da es im Moment nicht möglich ist, das ganze Stadion zu überblicken.

Dichter Nebel hat sich in Berlin breit gemacht und sich zwischen die Ränge des Stadions gelegt. Schiedsrichter Lewnikow hatte die undankbare Aufgabe, zu entscheiden, ob hier heute Abend überhaupt Fußball gespielt wird oder nicht. Das Reglement besagt, dass es möglich sein muss, von der Mittellinie beide Tore sehen zu können. Da dies anscheinend der Fall ist, wird heute gespielt.

Etwas unglücklich ist allerdings die Entscheidung, hier mit einem weißen Ball spielen zu lassen, aber vielleicht legt sich der Nebel ja noch ein wenig. Über die Mannschafts-Aufstellungen lassen sich allerdings klare Aussagen treffen, da diese schriftlich vorliegen. Jürgen Röber hat seine Mannschaft nach dem 0:1 gegen Kaiserslautern auf vier Positionen umgekrempelt. Preetz kehrt für Aracic wieder zurück in die erste Elf, Andreas Thom spielt statt Zecke Neuendorf, der Grieche Kostas Konstantinidis für Kjetil Rekdal und überraschender Weise bestreitet heute ein Spieler sein Debut für Hertha BSC: Marko Rehmer rückt für Ante Covic in die Mannschaft.

Inzwischen scheint die Partie begonnen zu haben, die Spieler bewegen sich über den Platz und ab und an ist auch der Ball zu sehen. Die Mannschaften versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und bemühen sich um ein konstruktives Spiel. Wie die Berliner haben auch die Spanier mit einer Niederlage, einem 1:3 beim FC Valencia, eine missglückte Generalprobe hingelegt - dem zu Folge muss das heute für beide ein sehr gutes Spiel werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer davon etwas mitbekommen werden. Es scheint der kleine Wosz zu sein, der immer wieder Druck macht und den ballführenden Gegenspieler früh stört. Den Zuschauern auf den Geraden geht es übrigens noch halbwegs gut, die können wenigstens bis zum Anstosspunkt sehen, was passiert. Wir erfahren aber gerade, dass von den Kurven aus aller höchstens das Geschehen im eigenen Strafraum erkannt werden kann. Und da passiert auch sofort etwas! Drei Minuten sind gerade vorbei, da schießt Thom aus aussichtsreicher Position ganz knapp am Pfosten vorbei!

1:0 für Barca

Einige Fans hatten den Ball schon drin gesehen. Nur wenige Minuten später Freistoß für Hertha BSC. Wosz bringt die Flanke herein, van Burik ist mit vorne, weiß als einziger, wo der Ball ist, köpft, doch Torwart Hesp hat aufgepasst. Barcelona kommt mit den Verhältnissen überhaupt nicht klar und Hertha weiß das zu nutzen. Immer wieder starten sie jetzt gefährliche Angriffe. Dann aber nach zwölf Minuten ein Eckball für Barca. Kurz auf Cocu, der verlängert in die Mitte, Luis Enrique ist da und köpft zum 0:1 ein! Was für ein Pech nach einem solch couragierten Anfang.

Jetzt kontrolliert Barcelona das Spiel. Figo geht immer wieder gefährlich in Richtung Kiraly und Konstantinidis ist mit seiner Aufgabe mehr als überfordert. Und dann fällt der Portugiese auch noch im Strafraum! Konstantinidis hat ihn klar zu Fall gebracht, doch Lewnikow hat zum Glück nichts davon mitbekommen! Dem Nebel sei dank! Figo ist jetzt natürlich stinksauer, aber ihm bleibt nicht viel Zeit zum Hadern, da die Berliner wieder Druck machen. Nach einer halben Stunde gibt es dann Einwurf für Hertha. Die Spanier diskutieren gerade mit dem Unparteiischen, weil Wosz zuvor gefoult haben soll.

Michalke gleicht aus

Da nimmt Thom sich blitzschnell das Leder, läuft einige Meter von dem Punkt, wo der Ball das Spielfeld verlassen hat weg, wirft in den Lauf auf Wosz, die Spieler des spanischen Meisters stürmen völlig überrumpelt zurück zum eigenen Strafraum, da hat Wosz längst auf Michalke gelegt, der zieht mit links ab, Hesp kommt nicht ran, 1:1! Der Treffer zählt! Schnell verbreitet sich die frohe Kunde unter den Zuschauern und die 60.000 sind außer sich vor Freude!

Die erste Halbzeit geht ohne weitere Vorkommnisse zu Ende und die Mannschaften verschwinden in den Katakomben. Während der Pause wird der Nebel immer dichter und Lewnikow muss erneut prüfen, ob das Spiel fortgesetzt werden kann. Er entscheidet sich schließlich, weiterspielen zu lassen. Allerdings erfolgt eine Auswechslung zur zweiten Hälfte. Der weiße Ball darf in der Kabine bleiben und wird durch einen viel umjubelten, orange-roten Ball ersetzt. Die Mannschaften kehren unverändert auf den Platz zurück. Nach einiger Zeit lässt sich erkennen, dass Andreas Schmidt sich nun um Figo kümmert und der gelb-belastete Konstantinidis ins Mittelfeld rückt.

Überragender Kiraly

Barcelona ist nun stärker als im ersten Durchgang und zeigt seine Klasse. Doch ein ums andere Mal scheitern die Offensivkräfte der Spanier am heute wohl überragenden Gabor Kiraly im Hertha-Tor. Auch als Simao und Dani zwanzig Minuten vor Schluss in die Partie kommen, ändert sich daran nichts. Kiraly fängt einen gefährlichen Schuss nach dem anderen ab. Auf der anderen Seite können sich Ali Daei und Michael Preetz kaum in Szene setzen, doch Wosz, Thom und Michalke sorgen immer wieder für gefählriche Entlastungsangriffe.

Hertha ist heute mit einem Punkt durchaus zufrieden und bringt das 1:1 über die Zeit. Heute Abend hat Hertha BSC mit einem richtig großen Verein auf Augenhöhe gespielt. Dass unsere Stadt allerdings ein großes Fußballspiel gesehen hätte, kann man leider nicht behaupten.